Andrew Rice – Unausgesprochene Golfballfakten

Andrew Rice gehört zu den führenden Amerikanischen Golflehrern und wurde hierfür auch 2018 wieder hochrangig ausgezeichnet. Seine offene, aber kritische Denkweise und sein tiefgründiges Branchenwissen im Golfsport machen ihn zu einem herausragenden Botschafter von Vice Golf.
Im Gespräch mit uns spricht der Teaching Professional und Buchautor diverser Golfbücher über die Entwicklung der Golfballindustrie, Golf generell und natürlich die kleine weiße Kugel.

Vice Golf: Andrew, die Golfindustrie wurde in den letzten Jahren ziemlich durchgeschüttelt, Produktlebenszyklen werden kürzer und immer wieder wird “der neuste Schrei” vorgestellt. Wie beobachtest Du diese Entwicklung?

Andrew: Die Golfindustrie hat es zur Gewohnheit gemacht, dass es immer schwieriger für den Golfer zu verstehen ist, was neu ist, was besser ist, was anders ist und vor allem: Was für den Golfer am Ende des Tages wirklich gut ist – im Golfballmarkt sieht man diese Entwicklung auch.

Vice Golf: Als Teaching Pro gibst Du Deinen Schülern auch Tipps rund ums Equipment – werfen wir einen Blick auf den Golfball – wie wählt ein Golfer den richtigen Ball für sein Spiel?

Andrew: Die erste und wichtigste Frage ist eigentlich, wie wichtig dem Golfer das Preis-Performance Verhältnis ist. Es wird immer Golfer geben, die Performance zu jedem Preis haben wollen, und auf der anderen Seite auch Golfer, für die Preis eine größere Rolle als Performance spielt. Sobald der Golfer entscheidet, wie die Münze in dieser Fragestellung fällt, dann sollte er der best-performende Ball das Rennen machen – dann gilt es, die beste Kombination aus Preis und Performance für sein eigenes Spiel zu finden.


Vice Golf:
Sind teure Golfbälle denn automatisch besser?

Andrew: Die Annahme, dass erhöhte Kosten zu erhöhter Performance führen war früher sicherlich nicht ganz falsch. Heute sind Performance-Golfbälle allerdings zu deutlich günstigeren Preisen erhältlich aufgrund neu eingeführter Geschäftsmodelle wie dem Direktvertrieb bei Euch (Vice Golf). Sobald Golfer davon hören und verstehen, dass sie zu deutlich günstigeren Preisen sehr gute Golfbälle erstehen können, ist die Entscheidung eigentlich alternativlos und sehr einfach.

Vice Golf: Die Komplexität in der Golfballkonstruktion ist groß – wie stehst Du zu “Mehr-Schicht-Bällen” und die unterschiedlichen Außenschichten, die dabei Verwendung finden?

Andrew: Ich will hier anmerken, dass Golfbälle mit einer Cast Urethan Außenschicht und einer erhöhten Anzahl von Schichten bisher die Performance verbessert haben. Allerdings steigt die Komplexität wie von Euch angesprochen dadurch enorm und der Preis für den Endverbraucher direkt mit. Mit Euren Drei- und Vier-Schicht Bällen ist das nicht der Fall, was den Ball zum echten Highlight macht.

“Lakeballs zu spielen ist absoluter Blödsinn! Wenn Dir Dein Score wichtig ist, gibt es keinen einzigen Grund, einen Lakeball zu spielen”, positioniert sich Andrew Rice klar.

Vice Golf: Apropos “Performance zum besten Preis” – muss es für jeden Golfer ein “Tour-Level” Golfball sein?

Andrew: Nein. Wie eingangs gesagt will auch gar nicht jeder Golfer den “Top-Performance” Golfball spielen. Es gibt allerdings viel mehr Golfer, die keinen Top-Performance Golfball für ihr Spiel bräuchten, aber trotzdem genau diesen Anspruch haben, als Golfer, deren Spiel einen positiven Einfluss durch einen Top-Performance Golfball hätte (und sie sich für die Günstigvariante entscheiden). Für die meisten Golfer würde ein günstiger Distance-Ball reichen, da viele Golfer auf der Suche nach mehr Länge vom Tee sind. Der Top-Performance Golfball, der große Distanzen vom Tee und ein weiches, kontrolliertes Spingefühl im Kurzspiel erzeugt, wird von vielen gespielt, vor allem jetzt, wo er nicht mehr €5-6 pro Ball kostet, sondern unter €3 zu erwerben ist.

Vice Golf: Die Golfer, die Vice Golf nicht kennen, aber trotzdem einen Top-Performance Golfball zum günstigen Preis spielen wollen, greifen gerne auf Lakeballs zurück. Für uns ein No-Go aus Performance-Sicht, wie siehst Du das?

Andrew: Lakeballs zu spielen ist absoluter Blödsinn! Wenn Dir Dein Score wichtig ist, gibt es keinen einzigen Grund, einen Lakeball zu spielen. Bälle nehmen sehr schnell Wasser auf und verändern seine Spieleigenschaften. Wenn Dir der gut getroffene 5-Meter Putt 1-Meter zu kurz bleibt, kann das definitiv an einem Lakeball liegen!

Vice Golf: Viele Ballhersteller legen größten Wert auf Schlägerkopfgeschwindigkeit, wenn sie Ball-Fittings anbieten. Ist in Zeiten des technologischen Fortschritts im Schlägerbereich Schwunggeschwindigkeit noch immer die Nummer 1 in der Bestimmung, welcher Ball zum Golfer passt?

Andrew: Zu einem gewissen Grad ist das noch so, aber viele Firmen machen es deutlich komplizierter, als es sein müsste. Ich denke, dass die Spinentwicklung eines Golfballs problemlos den Schwunggeschwindigkeitsfaktor in der Bedeutung ersetzen kann, wenn es um die Wahl des richtigen Golfballs für einen Spieler geht.

Vice Golf: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und uns Deine Eindrücke geschildert hast. Wir freuen uns auf die nächste gemeinsame Golfrunde in Orlando!